16.05.09: Wer Schule macht, braucht Optimismus

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NRW-Schulministerin Barbara Sommer spricht im Bosco-Haus Schierloh-Langewiese

Eigenverantwortlichkeit der Schulen, Ganztagsschulen und die derzeitige Lehrerausbildung - diese Themen nahm Barbara Sommer, Ministerin für Schule und Weiterbildung, am Donnerstagabend beim Dämmerschoppen der KAB Johannes Bosco in den Fokus.

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Quelle: CDU
(v.l.) KAB-Vorsitzender Bernhard Wunderlich, Werner Lehmann (Moderator), Ministerin Barbara Sommer

Knapp zwei Stunden lang diskutierte sie mit Lehrern, Eltern, Unternehmern und Interessierten aus der Region über die Schulpolitik des Landes und stellte Wege und Per-spektiven für die Zukunft vor.

„Egal, von welcher Schulform wir sprechen, über allem muss die individuelle Förderung des Einzelnen stehen“, betonte die Mutter von fünf Kindern. Nicht nur die Ereignisse in Emsdetten und Winnenden, sondern auch der jüngste Vorfall in St. Augustin hätten gezeigt, wie wichtig es sei, dass jeder Einzelne wahrgenommen werde. „Diese Tat zeigt außerdem, dass wir uns nicht nur auf die Jungen konzentrieren müssen, die bisher mit solchen Vorfällen in Verbindung gebracht wurden“, sagte die Ministerin.

Sie lobte Schulen, die ein Gütesiegel anstreben, wie die Kardinal-von-Galen-Grundschule in Ibbenbüren oder das gut funktionierende Netzwerk der Anne-Frank-Realschule. „Früher sagte man immer, eine gute Schule ist eine scharfe Schule, die Zeiten sind zum Glück vorbei. Heute haben wir die niedrigste Sitzenbleiberquote erreicht, und das ist auch gut so“, sagte sie. Dass zur Eigenverantwortlichkeit der Schulen, jedoch auch Überprüfungen und Grenzen gehören, ist für die ehemalige Schulleiterin selbstverständlich.

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(v.l.) Ministerin Sommer, Markus Weweler (Organisator), Wilfried Grunendahl (MdL)

Großen Zuspruch bei den Besuchern der Veranstaltung fand die NRW-Ministerin bei der Forderung von zusätzlichem Personal an Schulen, wie Sozialpädagogen oder Schulpsychologen. Nur so sei es für Lehrer möglich, wieder zu ihren ursprünglichen Aufgaben „unterrichten“ und „erziehen“ zurückzukehren.

Keinen Diskussionsbedarf sieht die Ministerin hinsichtlich des dreigliedrigen Schulsystems. Auf den Einwand des Ratsmitgliedes Ernst Goldbeck (Die Linke), der auf das erfolgreiche Konzept der Gesamtschulen in Finnland verwies, antwortete Sommer: „Wenn ich die hohe Suizidrate dort sehe und eine Jugendarbeitslosenquote von über 50 Prozent, dann ist das für mich kein Vorbild.“ Ihrer Meinung nach müsse man auf den Werten dieser Gesellschaft aufbauen. „Wir müssen uns auf das besinnen, was wir haben. Finnland ist mir zu weit weg.“

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(v.l.) KAB-Vorstand Bernhard Wunderlich, Moderator Werner Lehmann u. NRW-Schulministerin Sommer

Hinsichtlich sozialer Ungerechtigkeiten im Bildungssystem und teurer Nachhilfestunden sieht Barbara Sommer die Lösung in Tutorensystemen, welche bereits an zahlreichen Schulen bestünden. „Zudem haben wir fünf Förderstunden im Stundenplan eingeplant.“ Sie forderte die anwesenden Eltern auf, die Schulen bei Bedarf auf fehlende Unterstützung anzusprechen, und den Kontakt mit den Lehrern zu suchen. „Ich glaube, dass die Lehrer mit ins Boot geholt werden müssen, sie sind die Profis.“ Oft genug habe sie die Erfahrung gemacht, dass Eltern Lehrer als Widerpart ansähen.

Durchaus positiv sprach sich die Ministerin für eine Verzahnung von Kindertagesstätten und Grundschulen aus, auf die Hans-Joachim Papendorf, Leiter der Volkshochschule in Ibbenbüren, verwies. Ihrer Meinung nach sei jedoch zunächst eine Stärkung der Erzieher nötig, damit eine Zusammenarbeit zwischen Grundschule und Kindertagesstätte auf Augenhöhe möglich sei. „Dies sind jedoch Perspektiven, die Zeit und die richtige Einstellung brauchen, denn wer Schule macht, braucht ein Stück Optimismus.“

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(v.l.) Bernhard Wunderlich (KAB-Vorsitzender), Markus Weweler (Organisator), Wilfried Grunendahl (MdL)
NRW Schulministerin Barbara Sommer, Ulrich Remke (Bürgermeisterkandidat), Werner Lehmann (Moderator)

Im Gespräch mit Organisator Markus Weweler am Rande der Veranstaltung äußerte sich die Ministerin zudem zur schwierigen Personalsituation der Ibbenbürener Berufskollegs: „Erfreulich ist, dass an der technischen Schule von den seit März ausgeschriebenen drei Stellen für das Schuljahr 2009/10 eine schon besetzt werden konnte. Für die derzeit noch nicht besetzten Stellen liegen Bewerbungen vor. Ferner werden insgesamt fünf weitere Lehrkräfte an die Berufskollegs in Ibbenbüren versetzt.“

 

Pressebericht: IVZ

 

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